Viele Unternehmen investieren massiv in Content, Sichtbarkeit und SEO. Doch im Zeitalter von KI-Suchen, Google AI Overviews, ChatGPT, Gemini und Perplexity reicht guter Content allein oft nicht mehr aus. Im Gespräch mit Alexander Weipprecht erklärt Patrick Tomforde von der führenden Linkbuilding und GEO Agentur performanceLiebe, warum Offpage-Signale, Backlinks und Markenpräsenz außerhalb der eigenen Website heute zu den wichtigsten Hebeln für digitale Sichtbarkeit gehören.
Content ist nicht mehr automatisch der größte Hebel
Lange war die Sache scheinbar klar: Wer viel veröffentlicht, viele Unterseiten besitzt und regelmäßig neue Inhalte produziert, baut automatisch Sichtbarkeit auf. Genau dieses Prinzip funktioniert heute nur noch eingeschränkt.
Der Grund liegt auf der Hand: Inhalte lassen sich inzwischen in viel größerer Menge und deutlich schneller erstellen als noch vor wenigen Jahren. Dadurch ist Content in vielen Bereichen austauschbarer geworden. Masse allein ist kein verlässliches Qualitätssignal mehr.
Für Suchmaschinen und KI-Systeme entsteht daraus ein neues Problem. Sie müssen entscheiden, welche Inhalte wirklich relevant, vertrauenswürdig und zitierfähig sind. Wenn viele Seiten ähnliche Informationen liefern, gewinnen andere Faktoren an Bedeutung.
Warum Offpage-Signale jetzt stärker ins Gewicht fallen
Patrick Tomforde betrachtet das Thema bewusst nicht nur aus der Perspektive klassischer Backlinks. Für ihn geht es um das größere Bild: Offpage-Signale.
Dazu zählen nicht nur Verlinkungen, sondern auch:
- Markenerwähnungen auf externen Websites
- thematische Einordnungen einer Marke
- Autoritätssignale aus dem Umfeld
- externe Bestätigung von Relevanz und Vertrauen
Die Logik dahinter ist simpel: Wenn Suchmaschinen und LLMs Inhalte nicht mehr allein nach Quantität oder einfacher Keyword-Optimierung bewerten können, müssen sie zusätzliche Hinweise nutzen. Diese Hinweise entstehen oft außerhalb der eigenen Website.
Backlinks sind digitale Empfehlungen
Ein Link ist nicht einfach nur ein technischer Verweis. Im Kern ist er eine Empfehlung.
Genau deshalb macht es einen gewaltigen Unterschied, wer verlinkt, in welchem Kontext verlinkt wird und wie vertrauenswürdig die verlinkende Seite selbst ist. Ein beliebiger Link von irgendwo ist nicht mit einer gezielten Erwähnung oder Verlinkung auf einer thematisch passenden und etablierten Seite gleichzusetzen.
Tomforde beschreibt das sinngemäß mit einem alltagsnahen Bild: Wenn man in einer Stadt mehrmals hört, dass ein bestimmtes Restaurant besonders gut sein soll, wächst Vertrauen. Wenn diese Empfehlung dann auch noch von jemandem aus dem engsten Umfeld bestätigt wird, steigt die Glaubwürdigkeit nochmals deutlich.
Genauso funktioniert Autoritätsaufbau im Netz. Nicht jede Quelle hat das gleiche Gewicht. Manche Erwähnungen sind nett, andere sind echte Vertrauenssignale.
EEAT: Warum Google externe Bestätigung braucht
Ein zentrales Thema im Interview war auch das bekannte EEAT-Prinzip: Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness.
Für Unternehmen heißt das in der Praxis:
Experience: eigene Erfahrung sichtbar machen
Wer echte Erfahrung mit einem Thema hat, sollte diese auf der eigenen Website klar zeigen. Praxisnähe, echte Einblicke, konkrete Fälle und nachvollziehbare Expertise helfen dabei, Inhalte glaubwürdig zu machen.
Expertise: Fachwissen verständlich vermitteln
Fachwissen zeigt sich sowohl auf der eigenen Website als auch auf Drittseiten. Wer in seinem Themengebiet als kompetent wahrgenommen werden will, muss Inhalte liefern, die nicht nur korrekt, sondern auch nützlich und nachvollziehbar sind.
Trust: Vertrauen entsteht von außen
Der vielleicht wichtigste Punkt: Vertrauen baut eine Marke nicht allein dadurch auf, dass sie über sich selbst spricht. Vertrauen entsteht vor allem dann, wenn andere über sie sprechen.
Und genau hier kommt Linkbuilding ins Spiel. Hochwertige Erwähnungen und Verlinkungen auf externen Seiten helfen Suchmaschinen und KI-Systemen dabei, die Relevanz und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens besser einzuordnen.
GEO: Sichtbarkeit für ChatGPT, Gemini, Perplexity und Google AI
Besonders spannend wurde das Gespräch beim Thema GEO, also der Optimierung für generative Suchsysteme und Large Language Models.
Hier geht es nicht nur darum, in klassischen organischen Suchergebnissen aufzutauchen. Es geht darum, von KI-Systemen überhaupt als relevante Quelle erkannt, eingeordnet und möglicherweise in Antworten berücksichtigt zu werden.
Dafür braucht es mehrere Dinge gleichzeitig:
- klar strukturierte Inhalte
- eindeutige Themenzuordnung
- starke Markenverknüpfungen
- externe Erwähnungen und Autoritätssignale
- verständliche, maschinenlesbare Kontexte
Eine Marke muss für Suchmaschinen und LLMs klar mit einem Themenfeld verbunden sein. Der Name allein reicht dafür oft nicht aus. Systeme müssen erkennen können, wofür eine Marke steht, welche Leistungen sie anbietet und warum sie in einem Themenfeld relevant ist.
Warum nicht nur Links, sondern auch Brand Mentions wichtig sind
Ein wichtiger Punkt aus dem Interview: Sichtbarkeit in KI-Systemen hängt nicht ausschließlich an klassischen Backlinks.
Auch Brand Mentions, also Markenerwähnungen ohne direkten Link, spielen eine Rolle. Sie helfen dabei, den Kontext einer Marke aufzubauen. Wenn eine Marke regelmäßig im richtigen thematischen Umfeld auftaucht, verfestigt sich ihre Zuordnung in den Modellen.
Das ist vor allem für GEO interessant. Denn große Sprachmodelle greifen nicht nur auf die eigene Website zurück, sondern auf ein viel breiteres Informationsumfeld. Wer dort präsent ist, erhöht seine Chance, in Antworten und Zusammenfassungen berücksichtigt zu werden.
85 Prozent der Informationen liegen nicht auf der eigenen Website
Eine der stärksten Aussagen des Gesprächs war die These, dass ein Großteil der Informationen, die LLMs über eine Marke oder Person haben, nicht auf der eigenen Website steht, sondern auf externen Seiten.
Die genaue Zahl mag je nach Fall variieren, aber die Botschaft ist klar: Das digitale Bild einer Marke entsteht zu einem erheblichen Teil außerhalb der eigenen Plattform.
Für Unternehmen bedeutet das:
Wer nur seine Website optimiert, arbeitet zu kurz gedacht.
Wer langfristig sichtbar sein will, muss auch steuern, wie seine Marke im restlichen Web erscheint.
Strategisches Linkbuilding statt wahlloser Verlinkung
Im Interview wird deutlich, dass modernes Linkbuilding wenig mit einfachem „Link einsammeln“ zu tun hat. Es geht vielmehr um Strategie.
Dazu gehören Fragen wie:
- Welche Seiten verlinken bereits auf Wettbewerber?
- Wo bestehen Autoritätslücken?
- Welche thematischen Umfelder sind relevant?
- Welche Art von Erwähnung stärkt die Marke wirklich?
- Wo lassen sich Trust- und Relevanzsignale gezielt aufbauen?
Genau hier setzen spezialisierte Agenturen an. Sie analysieren nicht nur den Status quo, sondern identifizieren auch die Lücken zwischen einer Marke und ihren Wettbewerbern.
Warum manche Branchen es deutlich schwerer haben
Nicht jede Branche hat dieselben Voraussetzungen. In manchen Themenfeldern ist es vergleichsweise einfach, redaktionelle Aufmerksamkeit zu bekommen. In anderen Bereichen ist das wesentlich schwieriger.
Ein nützlicher Frühindikator ist laut Tomforde das Zusammenspiel aus Suchvolumen und CPC. Wo beides hoch ist, ist der Markt meist hart umkämpft. Das betrifft nicht nur SEO, sondern auch Linkbuilding. Denn wo viel Geld verdient wird, konkurrieren viele Anbieter um dieselben Sichtbarkeitsflächen.
Das macht hochwertigen Offpage-Aufbau automatisch anspruchsvoller.
Was Unternehmen jetzt konkret mitnehmen sollten
Aus dem Gespräch lassen sich einige klare Schlussfolgerungen ableiten.
Erstens: Content bleibt wichtig, aber er ist nicht mehr automatisch der größte Differenzierungsfaktor.
Zweitens: Offpage-Signale gewinnen an Gewicht, weil Suchmaschinen und KI-Systeme stärker auf externe Bestätigung achten.
Drittens: Linkbuilding entwickelt sich weiter. Es geht immer weniger um reine Mengenlogik und immer stärker um Kontext, Qualität, Autorität und Markenverknüpfung.
Viertens: GEO wird für Unternehmen relevanter, weil KI-Systeme die Sichtbarkeit im Netz zunehmend mitprägen.
Fazit: Sichtbarkeit entsteht heute im gesamten Web
Das vielleicht wichtigste Fazit aus dem Interview lautet: Digitale Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur auf der eigenen Website.
Wer heute in Suchmaschinen und KI-Systemen präsent sein will, muss dafür sorgen, dass die eigene Marke auch außerhalb der eigenen Domain klar, relevant und vertrauenswürdig sichtbar ist. Backlinks, Brand Mentions und strategische Offpage-Signale werden damit zu einem zentralen Bestandteil moderner SEO- und GEO-Strategien.
Oder anders gesagt:
Nicht nur das, was du über dich selbst schreibst, zählt. Entscheidend ist zunehmend auch, was andere über dich sagen — und wo sie es sagen.













