LinkedIn ohne Bullshit: Wie zwei Zwillingsschwestern eine Personal-Branding-Agentur – und eine Creator-Affiliate-Plattform – bauen

    05.03.2026 8 mal gelesen 0 Kommentare

    LinkedIn ist für viele immer noch „diese Job-Plattform“. Für andere ist es längst der Ort, an dem Deals entstehen, Kunden kommen, Mitarbeiter gefunden werden – und manchmal sogar: echte Freundschaften und Reisen ans andere Ende der Welt.

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    In dieser Podcastfolge von „Geld und Wirtschaft“ spricht der Host, Alexander Weipprecht, mit Lena Kajo (22) aus Münster. Lena hat gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Amie die Personal-Branding-Agentur Geminos gegründet – und arbeitet zusätzlich an einer neuen Plattform, die LinkedIn Creator Marketing über Affiliate-Links möglich machen soll.

    Was dabei spannend ist: Es geht nicht um „Follower-Flex“, sondern um Wirkung, Authentizität – und ein ziemlich klares Verständnis davon, wie LinkedIn gerade tickt.


    Von LinkedIn-Posts zu zahlenden Kunden: Der Start von Geminos

    Die Story beginnt, wie viele gute Business-Stories: nicht mit einem perfekten Plan, sondern mit einem Muster, das man nicht mehr ignorieren kann.

    Lena und Amie waren früh sehr aktiv auf LinkedIn, haben viel gepostet, viel ausprobiert – und bekamen irgendwann immer öfter dieselbe Nachricht:

    „Könnt ihr das, was ihr für eure Profile macht, nicht auch für uns machen?“

    Im September 2024 gründen sie Geminos – und starten direkt mit vier Kunden am ersten Tag. Heute arbeiten sie in Münster (mit Büro an der Promenade) und betreuen Kunden aus vielen Branchen.


    LinkedIn Influencer Marketing: Warum sie lieber „Creators“ sagen

    Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um Lenas neues Projekt: eine Plattform, die Unternehmen und passende LinkedIn-Creators matcht. Das läuft nicht über klassische „Werbeposts“, sondern über Affiliate-Links.

    Kurz gesagt:

    • Unternehmen werden mit Creators gematcht, die thematisch wirklich passen
    • Der Creator postet Content inkl. Affiliate-Link
    • Das Unternehmen bekommt Leads/Conversions, die trackbar sind

    Wichtig dabei: Lena vermeidet bewusst das Wort Influencer.

    Creator ≠ Influencer (zumindest auf LinkedIn)

    Bei ihnen gilt nicht: „Ab 10k Follower bist du dabei.“

    Sie bringt ein Beispiel, das hängen bleibt:
    Ein Creator mit ~500 Connections, aber extrem spitz positioniert (Rohrbauleitung). Seine Community ist klein – aber hoch relevant. Wenn der eine Empfehlung ausspricht, kann das mehr wert sein als ein riesiger, generischer Account.

    Kernaussage: Auf LinkedIn zählt nicht primär Größe, sondern Glaubwürdigkeit + thematische Passung.


    Für wen ist eine Personal-Branding-Agentur überhaupt sinnvoll?

    Alexander beschreibt, dass er selbst viel postet, alles eigenständig schreibt, wenig KI nutzt – aber merkt: Kontinuität frisst Zeit.

    Lena erklärt: Geminos hat sich nicht auf Branchen spezialisiert. Sie arbeiten u. a. mit:

    Warum geht das trotzdem? Weil Personal Branding nicht nur Fachwissen ist.

    40% privat – und genau das ist der Punkt

    Lena sagt sinngemäß: Personal Branding passiert mittlerweile zu einem großen Teil über private Anknüpfungspunkte, die beruflich anschlussfähig sind.

    Beispiel: Sie schreibt über ihren Arbeitsweg zu Fuß – und verbindet es mit Wohlbefinden, Routine, Performance im Alltag.

    Nicht privat um privat zu sein, sondern um eine echte Person sichtbar zu machen.


    So läuft die Zusammenarbeit ab: Profiling, Content-Interviews, Feedback-Loops

    Alex will’s genau wissen: Wie sieht das in der Praxis aus – ohne Agentur-Geheimnisse?

    Lena beschreibt einen ziemlich klaren Prozess:

    1. Inbound über LinkedIn (kein aktiver Vertrieb nötig)
    2. Ziele klären: Sichtbarkeit, Neukunden, Recruiting etc.
    3. Profiling zuerst: Profil optimieren, weil ein guter Post nichts bringt, wenn das Profil danach nicht überzeugt
    4. Content-Interviews (alle 1–2 Monate, ca. 60–90 Minuten)
      → daraus entsteht der fachliche Input
    5. Schreibstil übernehmen: Sprechweise, Formulierungen, „Wording“ des Kunden
    6. Wöchentliche Feedback-Schleifen + Content-Analysen

    Wichtig: Die Agentur schreibt die Beiträge selbst – aber die Substanz kommt aus den Interviews. Authentisch bleiben ist Pflicht, nicht Kür.


    Trends, Kopien und das „LinkedIn spielt gerade verrückt“-Gefühl

    Alexander spricht ein typisches LinkedIn-Phänomen an:
    Du machst einen Post, der gut läuft – und plötzlich machen es zehn andere ähnlich. Oder: ein Trend schwappt durch die Plattform und jeder springt drauf.

    Lena sagt klar: Trends sind A und O – solange man sie nicht stumpf mitmacht.

    Wenn man eine echte Meinung hat oder das Thema zur eigenen Positionierung passt: aufspringen.
    Wenn nicht: weiter den eigenen Content fahren.

    Sie nennt auch Beispiele für LinkedIn-Trends, u. a. diese KI-generierten „Figuren in Boxen“-Visuals (die eine Zeit lang überall waren).


    KI auf LinkedIn: Warum „perfekte“ Texte gerade verlieren

    Dann kommt das Thema, über das sich (gefühlt) die halbe Plattform aufregt:
    KI-Kommentare, KI-Posts, generische Floskeln, Austauschbarkeit.

    Lena ist da ziemlich deutlich: Sie findet es schade, weil der Feed dadurch „verwässert“.

    Aber: Genau darin liegt auch die Chance.

    Wenn alle nach KI klingen, gewinnt der Mensch

    Sie nennt typische KI-Muster, die Leute schnell erkennen:

    • abgehackte Aufzählungen mit Punkten
    • standardisierte Floskeln
    • „glatte“ Sätze ohne echte Stimme

    Ihr Gegenmittel ist simpel:

    • echte Fotos statt KI-Bilder
    • umgangssprachlicher Ton (auch Anglizismen, wenn’s zur Person passt)
    • kleine „unperfekte“ Elemente, die echt wirken (Füllwörter, kleine Ecken/Kanten)
    • Texte, die sich anfühlen, als wären sie schnell am Handy getippt – weil das Thema gerade wichtig war

    Authentizität ist hier keine Romantik, sondern ein Wettbewerbsvorteil.


    Was ist „viral“ auf LinkedIn?

    Alexander Weipprecht erzählt: Ein spontaner Post mit echtem Bild hat in zwei Tagen 20.000 Aufrufe gemacht – und er fragt sich: Ist das viel?

    Lena sagt: 20–30k Impressions sind richtig stark.
    Und sie gibt eine Faustregel aus ihrer Sicht:

    • „Viral“ auf LinkedIn = über ~1.000 Likes
      (und deutlich schwerer zu knacken als auf TikTok/Instagram)

    Außerdem bringt sie eine schöne Visualisierung:
    Wenn du 20.000 Follower hast, ist das wie „deine ganze Heimatstadt liest mit“.


    Erwartungshaltung vs. Realität: Warum sie mindestens 6 Monate verlangen

    Ein Thema, das viele unterschätzen: Leute erwarten oft schnelle Ergebnisse, obwohl Personal Branding Zeit braucht.

    Geminos löst das strukturell:

    • Mindestlaufzeit 6 Monate, weil man eine Brand nicht in 4 Wochen „hochzieht“
    • Pakete von 1 bis 3 Posts pro Woche
    • Je mehr Frequenz, desto schneller in der Regel die Wirkung – aber Aufwand/Investment müssen passen

    Die Agentur klärt laut Lena heute stärker auf als ganz am Anfang, weil die Erwartungen zu Beginn oft „zu hoch“ waren.


    „Lass mal locker austauschen“: Wie du Anfragen effizient filterst

    Alexander Weipprecht beschreibt ein Problem, das viele mit Reichweite kennen:
    Es kommen ständig Nachrichten, oft ohne konkreten Punkt. Und wenn du jedem Call zusagst, arbeitest du irgendwann nur noch in Kennenlern-Meetings.

    Lenas Ansatz ist derselbe wie seiner:

    • Vor dem Call klären: Was willst du konkret? Worum geht’s? Was brauchst du?
    • Dann entscheiden: lohnt sich das oder nicht?

    Sie sagt aber auch: Manche dieser Gespräche haben schon zu sehr guten Ergebnissen geführt – also nicht alles pauschal wegblocken. Nur: ohne Klarheit keine Zeit.


    Gründerstory: Die Idee auf einer Fähre zwischen Helsinki und Tallinn

    Zum Ende wird’s persönlicher: Wie gründet man als Zwillingspaar – ohne Angst vor Streit?

    Lena erzählt:

    • Amie wollte schon immer gründen (BWL, Vertrieb, „Macherin“)
    • Lena kommt aus Kommunikationsmanagement, ist eher emotionaler/„sensibler“
    • Genau diese Mischung funktioniert als Duo

    Der konkrete Gründungsmoment ist filmreif:
    Auf einer Fähre zwischen Helsinki und Tallinn (Familie hat finnische Wurzeln) kommt wieder so eine LinkedIn-Nachricht rein: „Könnt ihr das für mich machen?“

    Sie schauen sich an und denken: Diese Idee liegt literally vor unseren Füßen.

    Sie starten als GbR, komplett bootstrapped (kein direktes GmbH-Stammkapital). Jetzt planen sie Umfirmierung und Holdingstruktur.

    Und ihr Fazit ist ziemlich klar: Alleine wäre das mental viel schwerer. Zu zweit ist es „Powerduo“.


    Kapstadt: Workation, Kunden treffen, Startup-Energie

    Nebenbei erzählen sie noch von einer Workation in Kapstadt – geplant mit zwei LinkedIn-Kontakten, am Ende zu dritt vor Ort.

    Spannend: Sie treffen dort sogar Kunden „mal eben auf einen Kaffee“ – in derselben Stadt, in der sie gerade wohnen.

    Lena beschreibt Kapstadt als Ort mit starker Unternehmer- und Startup-Energie und betont, wie selten es ist, mit Gleichaltrigen über Gründungsthemen zu sprechen – umso wertvoller war der Austausch.


    Lenas 6 Einsteiger-Tipps für LinkedIn (kompakt)

    Zum Abschluss liefert sie praktische Tipps für Anfänger:

    1. Frag dich: Wofür mache ich das?
      Personal Brand = langfristiger Karrierehebel + Türenöffner.
    2. Starte mit 3 Posts pro Woche
      Aktivität lohnt sich – aber mach’s realistisch.
    3. Meide ChatGPT-Fließband-Texte
      Die Leute merken’s (und scrollen weiter).
    4. Schreib in deiner echten Stimme
      Unperfekt ist oft besser als poliert.
    5. Echte Bilder statt KI-Bilder
      Selfies, Schnappschüsse, Alltag – funktioniert.
    6. Trends ja – aber nur, wenn du was Echtes dazu zu sagen hast

    Zum Abschluss bleibt vor allem eins hängen: LinkedIn belohnt gerade nicht die lautesten Accounts, sondern die glaubwürdigsten. Wer bereit ist, regelmäßig zu posten, seine echte Stimme zu zeigen und Profil + Content als Einheit zu denken, kann sich dort Schritt für Schritt eine Reputation aufbauen, die weit über Likes hinausgeht – bis hin zu Kunden, Kooperationen und echten Begegnungen im „echten Leben“. Und genau hier setzen Lena und Amie mit Geminos an: nicht mit Buzzwords, sondern mit einem klaren Prozess, viel Nähe zum Menschen hinter dem Profil und dem Blick nach vorn auf das nächste große Thema auf LinkedIn – Creator- und Affiliate-Marketing.

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