LinkedIn ohne Bullshit: Wie zwei Zwillingsschwestern eine Personal-Branding-Agentur – und eine Creator-Affiliate-Plattform – bauen

LinkedIn ohne Bullshit: Wie zwei Zwillingsschwestern eine Personal-Branding-Agentur – und eine Creator-Affiliate-Plattform – bauen

Autor: Geld & Wirtschaft Redaktion

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Kategorie: Grundlagen

Zusammenfassung: Lena Kajo und ihre Zwillingsschwester Amie haben die Personal-Branding-Agentur Geminos gegründet, um LinkedIn-Creators mit Unternehmen über Affiliate-Marketing zu vernetzen. Ihr Fokus liegt auf Authentizität und thematischer Passung statt bloßer Follower-Zahlen.

LinkedIn ist für viele immer noch „diese Job-Plattform“. Für andere ist es längst der Ort, an dem Deals entstehen, Kunden kommen, Mitarbeiter gefunden werden – und manchmal sogar: echte Freundschaften und Reisen ans andere Ende der Welt.

In dieser Podcastfolge von „Geld und Wirtschaft“ spricht der Host, Alexander Weipprecht, mit Lena Kajo (22) aus Münster. Lena hat gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Amie die Personal-Branding-Agentur Geminos gegründet – und arbeitet zusätzlich an einer neuen Plattform, die LinkedIn Creator Marketing über Affiliate-Links möglich machen soll.

Was dabei spannend ist: Es geht nicht um „Follower-Flex“, sondern um Wirkung, Authentizität – und ein ziemlich klares Verständnis davon, wie LinkedIn gerade tickt.


Von LinkedIn-Posts zu zahlenden Kunden: Der Start von Geminos

Die Story beginnt, wie viele gute Business-Stories: nicht mit einem perfekten Plan, sondern mit einem Muster, das man nicht mehr ignorieren kann.

Lena und Amie waren früh sehr aktiv auf LinkedIn, haben viel gepostet, viel ausprobiert – und bekamen irgendwann immer öfter dieselbe Nachricht:

„Könnt ihr das, was ihr für eure Profile macht, nicht auch für uns machen?“

Im September 2024 gründen sie Geminos – und starten direkt mit vier Kunden am ersten Tag. Heute arbeiten sie in Münster (mit Büro an der Promenade) und betreuen Kunden aus vielen Branchen.


LinkedIn Influencer Marketing: Warum sie lieber „Creators“ sagen

Ein zentraler Teil des Gesprächs dreht sich um Lenas neues Projekt: eine Plattform, die Unternehmen und passende LinkedIn-Creators matcht. Das läuft nicht über klassische „Werbeposts“, sondern über Affiliate-Links.

Kurz gesagt:

  • Unternehmen werden mit Creators gematcht, die thematisch wirklich passen
  • Der Creator postet Content inkl. Affiliate-Link
  • Das Unternehmen bekommt Leads/Conversions, die trackbar sind

Wichtig dabei: Lena vermeidet bewusst das Wort Influencer.

Creator ≠ Influencer (zumindest auf LinkedIn)

Bei ihnen gilt nicht: „Ab 10k Follower bist du dabei.“

Sie bringt ein Beispiel, das hängen bleibt:
Ein Creator mit ~500 Connections, aber extrem spitz positioniert (Rohrbauleitung). Seine Community ist klein – aber hoch relevant. Wenn der eine Empfehlung ausspricht, kann das mehr wert sein als ein riesiger, generischer Account.

Kernaussage: Auf LinkedIn zählt nicht primär Größe, sondern Glaubwürdigkeit + thematische Passung.


Für wen ist eine Personal-Branding-Agentur überhaupt sinnvoll?

Alexander beschreibt, dass er selbst viel postet, alles eigenständig schreibt, wenig KI nutzt – aber merkt: Kontinuität frisst Zeit.

Lena erklärt: Geminos hat sich nicht auf Branchen spezialisiert. Sie arbeiten u. a. mit:

  • Technik / Industrie
  • Lebensmittelbranche
  • Automobil
  • Rechtsanwälten

Warum geht das trotzdem? Weil Personal Branding nicht nur Fachwissen ist.

40% privat – und genau das ist der Punkt

Lena sagt sinngemäß: Personal Branding passiert mittlerweile zu einem großen Teil über private Anknüpfungspunkte, die beruflich anschlussfähig sind.

Beispiel: Sie schreibt über ihren Arbeitsweg zu Fuß – und verbindet es mit Wohlbefinden, Routine, Performance im Alltag.

Nicht privat um privat zu sein, sondern um eine echte Person sichtbar zu machen.


So läuft die Zusammenarbeit ab: Profiling, Content-Interviews, Feedback-Loops

Alex will’s genau wissen: Wie sieht das in der Praxis aus – ohne Agentur-Geheimnisse?

Lena beschreibt einen ziemlich klaren Prozess:

  1. Inbound über LinkedIn (kein aktiver Vertrieb nötig)
  2. Ziele klären: Sichtbarkeit, Neukunden, Recruiting etc.
  3. Profiling zuerst: Profil optimieren, weil ein guter Post nichts bringt, wenn das Profil danach nicht überzeugt
  4. Content-Interviews (alle 1–2 Monate, ca. 60–90 Minuten)
    → daraus entsteht der fachliche Input
  5. Schreibstil übernehmen: Sprechweise, Formulierungen, „Wording“ des Kunden
  6. Wöchentliche Feedback-Schleifen + Content-Analysen

Wichtig: Die Agentur schreibt die Beiträge selbst – aber die Substanz kommt aus den Interviews. Authentisch bleiben ist Pflicht, nicht Kür.


Trends, Kopien und das „LinkedIn spielt gerade verrückt“-Gefühl

Alexander spricht ein typisches LinkedIn-Phänomen an:
Du machst einen Post, der gut läuft – und plötzlich machen es zehn andere ähnlich. Oder: ein Trend schwappt durch die Plattform und jeder springt drauf.

Lena sagt klar: Trends sind A und O – solange man sie nicht stumpf mitmacht.

Wenn man eine echte Meinung hat oder das Thema zur eigenen Positionierung passt: aufspringen.
Wenn nicht: weiter den eigenen Content fahren.

Sie nennt auch Beispiele für LinkedIn-Trends, u. a. diese KI-generierten „Figuren in Boxen“-Visuals (die eine Zeit lang überall waren).


KI auf LinkedIn: Warum „perfekte“ Texte gerade verlieren

Dann kommt das Thema, über das sich (gefühlt) die halbe Plattform aufregt:
KI-Kommentare, KI-Posts, generische Floskeln, Austauschbarkeit.

Lena ist da ziemlich deutlich: Sie findet es schade, weil der Feed dadurch „verwässert“.

Aber: Genau darin liegt auch die Chance.

Wenn alle nach KI klingen, gewinnt der Mensch

Sie nennt typische KI-Muster, die Leute schnell erkennen:

  • abgehackte Aufzählungen mit Punkten
  • standardisierte Floskeln
  • „glatte“ Sätze ohne echte Stimme

Ihr Gegenmittel ist simpel:

  • echte Fotos statt KI-Bilder
  • umgangssprachlicher Ton (auch Anglizismen, wenn’s zur Person passt)
  • kleine „unperfekte“ Elemente, die echt wirken (Füllwörter, kleine Ecken/Kanten)
  • Texte, die sich anfühlen, als wären sie schnell am Handy getippt – weil das Thema gerade wichtig war

Authentizität ist hier keine Romantik, sondern ein Wettbewerbsvorteil.


Was ist „viral“ auf LinkedIn?

Alexander Weipprecht erzählt: Ein spontaner Post mit echtem Bild hat in zwei Tagen 20.000 Aufrufe gemacht – und er fragt sich: Ist das viel?

Lena sagt: 20–30k Impressions sind richtig stark.
Und sie gibt eine Faustregel aus ihrer Sicht:

  • „Viral“ auf LinkedIn = über ~1.000 Likes
    (und deutlich schwerer zu knacken als auf TikTok/Instagram)

Außerdem bringt sie eine schöne Visualisierung:
Wenn du 20.000 Follower hast, ist das wie „deine ganze Heimatstadt liest mit“.


Erwartungshaltung vs. Realität: Warum sie mindestens 6 Monate verlangen

Ein Thema, das viele unterschätzen: Leute erwarten oft schnelle Ergebnisse, obwohl Personal Branding Zeit braucht.

Geminos löst das strukturell:

  • Mindestlaufzeit 6 Monate, weil man eine Brand nicht in 4 Wochen „hochzieht“
  • Pakete von 1 bis 3 Posts pro Woche
  • Je mehr Frequenz, desto schneller in der Regel die Wirkung – aber Aufwand/Investment müssen passen

Die Agentur klärt laut Lena heute stärker auf als ganz am Anfang, weil die Erwartungen zu Beginn oft „zu hoch“ waren.


„Lass mal locker austauschen“: Wie du Anfragen effizient filterst

Alexander Weipprecht beschreibt ein Problem, das viele mit Reichweite kennen:
Es kommen ständig Nachrichten, oft ohne konkreten Punkt. Und wenn du jedem Call zusagst, arbeitest du irgendwann nur noch in Kennenlern-Meetings.

Lenas Ansatz ist derselbe wie seiner:

  • Vor dem Call klären: Was willst du konkret? Worum geht’s? Was brauchst du?
  • Dann entscheiden: lohnt sich das oder nicht?

Sie sagt aber auch: Manche dieser Gespräche haben schon zu sehr guten Ergebnissen geführt – also nicht alles pauschal wegblocken. Nur: ohne Klarheit keine Zeit.


Gründerstory: Die Idee auf einer Fähre zwischen Helsinki und Tallinn

Zum Ende wird’s persönlicher: Wie gründet man als Zwillingspaar – ohne Angst vor Streit?

Lena erzählt:

  • Amie wollte schon immer gründen (BWL, Vertrieb, „Macherin“)
  • Lena kommt aus Kommunikationsmanagement, ist eher emotionaler/„sensibler“
  • Genau diese Mischung funktioniert als Duo

Der konkrete Gründungsmoment ist filmreif:
Auf einer Fähre zwischen Helsinki und Tallinn (Familie hat finnische Wurzeln) kommt wieder so eine LinkedIn-Nachricht rein: „Könnt ihr das für mich machen?“

Sie schauen sich an und denken: Diese Idee liegt literally vor unseren Füßen.

Sie starten als GbR, komplett bootstrapped (kein direktes GmbH-Stammkapital). Jetzt planen sie Umfirmierung und Holdingstruktur.

Und ihr Fazit ist ziemlich klar: Alleine wäre das mental viel schwerer. Zu zweit ist es „Powerduo“.


Kapstadt: Workation, Kunden treffen, Startup-Energie

Nebenbei erzählen sie noch von einer Workation in Kapstadt – geplant mit zwei LinkedIn-Kontakten, am Ende zu dritt vor Ort.

Spannend: Sie treffen dort sogar Kunden „mal eben auf einen Kaffee“ – in derselben Stadt, in der sie gerade wohnen.

Lena beschreibt Kapstadt als Ort mit starker Unternehmer- und Startup-Energie und betont, wie selten es ist, mit Gleichaltrigen über Gründungsthemen zu sprechen – umso wertvoller war der Austausch.


Lenas 6 Einsteiger-Tipps für LinkedIn (kompakt)

Zum Abschluss liefert sie praktische Tipps für Anfänger:

  1. Frag dich: Wofür mache ich das?
    Personal Brand = langfristiger Karrierehebel + Türenöffner.
  2. Starte mit 3 Posts pro Woche
    Aktivität lohnt sich – aber mach’s realistisch.
  3. Meide ChatGPT-Fließband-Texte
    Die Leute merken’s (und scrollen weiter).
  4. Schreib in deiner echten Stimme
    Unperfekt ist oft besser als poliert.
  5. Echte Bilder statt KI-Bilder
    Selfies, Schnappschüsse, Alltag – funktioniert.
  6. Trends ja – aber nur, wenn du was Echtes dazu zu sagen hast

Zum Abschluss bleibt vor allem eins hängen: LinkedIn belohnt gerade nicht die lautesten Accounts, sondern die glaubwürdigsten. Wer bereit ist, regelmäßig zu posten, seine echte Stimme zu zeigen und Profil + Content als Einheit zu denken, kann sich dort Schritt für Schritt eine Reputation aufbauen, die weit über Likes hinausgeht – bis hin zu Kunden, Kooperationen und echten Begegnungen im „echten Leben“. Und genau hier setzen Lena und Amie mit Geminos an: nicht mit Buzzwords, sondern mit einem klaren Prozess, viel Nähe zum Menschen hinter dem Profil und dem Blick nach vorn auf das nächste große Thema auf LinkedIn – Creator- und Affiliate-Marketing.